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Polizei, Feuerwehr und Vollzug

PKV für Justizvollzugsbeamtinnen und Justizvollzugsbeamte

Beihilfe oder Heilfürsorge im Justizvollzug: was in Ihrem Land gilt, wann die PKV-Frist beginnt und was Vollzugsdienstunfähigkeit bedeutet.

Symbolfoto: Justizvollzug

Justizvollzugsbeamtinnen und Justizvollzugsbeamte arbeiten im allgemeinen Vollzugsdienst, im Werkdienst oder in der Verwaltung der Justizvollzugsanstalten; der allgemeine Vollzugsdienst arbeitet im Schichtdienst, auch an Wochenenden und Feiertagen. Dienstherr ist immer ein Land; Beihilfe, Heilfürsorge und Altersgrenzen richten sich deshalb nach Landesrecht.

Bei der Krankenversorgung ist der Justizvollzug im Umbruch. Lange war Beihilfe die Regel; inzwischen gewähren Baden-Württemberg, Sachsen und Hamburg Heilfürsorge, Baden-Württemberg nur auf eigene Erklärung. Für Ihre private Absicherung heißt das: zuerst klären, welches System für Sie gilt und welche Frist läuft.

Auf einen Blick

  • Heilfürsorge im Vollzug gibt es in Baden-Württemberg (auf Erklärung), Sachsen (seit 2025) und Hamburg (seit 2026).
  • In den übrigen Ländern gilt Beihilfe; Bremen hat die Einführung der Heilfürsorge im September 2026 abgelehnt.
  • In NRW beginnen Bewerber meist als Tarifbeschäftigte; die PKV-Frist läuft erst ab der Verbeamtung.
  • Einige Länder, etwa Brandenburg und Hessen, wenden die Polizeidienstunfähigkeit auch auf den Vollzugsdienst an.
  • Wer Heilfürsorge erhält, sollte binnen sechs Monaten eine Anwartschaft für den Ruhestand abschließen.

Heilfürsorge oder Beihilfe: der Stand in den Ländern

Seit 2020 haben drei Länder Heilfürsorge im Justizvollzug eingeführt, weitere diskutieren darüber: In Niedersachsen liegen Anträge im Landtag, Bremen hat sie im September 2026 abgelehnt, Berlin verweist auf die Haushaltslage. Nach unserer Prüfung der Gesetze gilt im Oktober 2026:

  • Baden-Württemberg: Heilfürsorge für den mittleren und gehobenen Vollzugsdienst und den Werkdienst, wenn Sie sie vor der Ernennung schriftlich wählen; die Erklärung ist unwiderruflich. Ohne Erklärung gilt Beihilfe.
  • Sachsen: Heilfürsorge seit 1. Juli 2025 für den Justizvollzugsdienst (Laufbahngruppe 1, zweite Einstiegsebene) und Vollzugsabteilungsleiter, ohne Anrechnung auf die Besoldung. Ein Verzicht war nur für den Bestand bis 30. September 2025 möglich.
  • Hamburg: Heilfürsorge seit 1. April 2026 für die Laufbahngruppe 1 im Vollzug; Neueingestellte erhalten sie automatisch, Bestandsbeamte können bis 31. März 2027 wechseln. Angerechnet werden 1,4 % des Grundgehalts, Nachwuchskräfte zahlen nichts.
  • Beihilfe: Bayern, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, das Saarland, Sachsen-Anhalt und Thüringen; nach unserem Kenntnisstand auch Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein.

Baden-Württemberg: Heilfürsorge wählen oder nicht?

Die Wahl gilt für das ganze Berufsleben und muss vor der Ernennung fallen. Mit Heilfürsorge zahlen Sie im aktiven Dienst für sich selbst nur die Pflegepflichtversicherung und gegebenenfalls eine Anwartschaft; Wahlleistungen im Krankenhaus werden aber nur zur Hälfte erstattet und nur, wenn Sie den monatlichen Wahlleistungsbetrag zahlen.

Mit Beihilfe und PKV sind Sie von Anfang an Privatpatient, und der Tarif läuft im Ruhestand nahtlos weiter. Wer Heilfürsorge wählt, braucht für die Zeit danach eine Anwartschaft, denn mit dem Ruhestand endet die Heilfürsorge. Wir rechnen beide Wege für Ihre Situation durch und beraten Vollzugsbeamte telefonisch in allen 16 Ländern.

Späte Verbeamtung: wann die PKV-Frist beginnt

In Nordrhein-Westfalen setzt der Werkdienst eine Meister- oder Technikerprüfung voraus, der allgemeine Vollzugsdienst bei Hauptschulabschluss eine abgeschlossene Ausbildung. Bewerber für beide Laufbahnen beginnen in der Regel als Tarifbeschäftigte und werden innerhalb von drei Jahren in das Beamtenverhältnis auf Widerruf übernommen, regelmäßig vor dem 40. Geburtstag. Die zweijährige Ausbildung wechselt zwischen der Justizvollzugsschule und mindestens zwei Anstalten; danach folgt A 7.

Bis zur Verbeamtung sind Sie wie andere Arbeitnehmer versichert, meist gesetzlich. Erst mit dem Beamtenverhältnis auf Widerruf beginnt die Sechsmonatsfrist der Öffnungsaktion: keine Ablehnung wegen Vorerkrankungen, keine Leistungsausschlüsse, Risikozuschläge höchstens 30 %. Wer in dieser Zeit gesetzlich bleibt, hat mit der Ernennung auf Probe eine zweite Gelegenheit; mehr dazu unter PKV für Beamtenanwärter.

In Ländern mit Heilfürsorge gilt die Öffnungsaktion für eine Anwartschaftsversicherung, ebenfalls binnen sechs Monaten ab Beginn der Heilfürsorge. Wer bereits privat versichert ist und in die Heilfürsorge wechselt, kann den Vertrag als Anwartschaft fortführen (§ 204 Abs. 5 VVG).

Vollzugsdienstunfähigkeit und Altersgrenze

Der Dienst mit Gefangenen stellt besondere gesundheitliche Anforderungen. Einige Länder wie Brandenburg und Hessen wenden deshalb die Regeln zur Polizeidienstunfähigkeit auf den allgemeinen Vollzugsdienst und den Werkdienst entsprechend an (§ 118 LBG Brandenburg, § 114 HBG). Dienstunfähig kann dann sein, wer diesen Anforderungen nicht mehr genügt, auch wenn er in der Verwaltung noch arbeiten könnte.

Eine private Dienstunfähigkeitsversicherung sollte diese besondere Dienstunfähigkeit ausdrücklich einschließen. Mehr dazu unter Dienstunfähigkeitsversicherung für Beamte.

Auch die Altersgrenze liegt im Vollzug oft früher: In Nordrhein-Westfalen treten Beamte des allgemeinen Vollzugsdienstes und des Werkdienstes mit 62 Jahren in den Ruhestand, auf Antrag ab 60 (§ 117 LBG NRW). Hessen und Sachsen übernehmen die Altersgrenze der Polizei (§ 114 HBG, § 143 SächsBG).

Familie, Pflege und Ruhestand

Heilfürsorge gilt nur für Sie selbst. Ehepartner und Kinder erhalten Beihilfe, Partner nur bis zu einer Einkommensgrenze, und brauchen einen privaten Restkostentarif; für sie gilt eine eigene Sechsmonatsfrist der Öffnungsaktion, sofern Sie selbst privat versichert sind oder eine Anwartschaft haben.

Auch mit Heilfürsorge ist eine private Pflegepflichtversicherung vorgeschrieben (§ 23 Abs. 4 SGB XI); in Sachsen übernimmt die Heilfürsorge Pflegeleistungen zur Hälfte. Mit dem Ruhestand endet die Heilfürsorge, danach gilt Beihilfe, und die Anwartschaft wird zum vollwertigen Tarif.

Typische Ämter und Laufbahnen

AmtLaufbahnTypische Aufgaben
Justizvollzugsobersekretärin / Justizvollzugsobersekretärmittlerer Dienst (in NRW Laufbahngruppe 1, zweites Einstiegsamt), A 7Einstiegsamt im allgemeinen Vollzugsdienst in NRW; in Baden-Württemberg beginnt der mittlere Dienst in A 8
Justizvollzugshauptsekretärin / Justizvollzugshauptsekretärmittlerer Dienst, A 8Beförderungsamt; Aufsicht, Betreuung und Versorgung der Gefangenen
Justizvollzugsamtsinspektorin / Justizvollzugsamtsinspektormittlerer Dienst, A 9Beförderungsamt, teils mit Amtszulage
Oberinspektorin / Oberinspektor im allgemeinen Vollzugsdienstmittlerer Dienst, Beförderungsamt A 10 (NRW)Beförderungsamt nach mindestens vier Jahren in A 9 oder Leitung des Vollzugsdienstes einer Anstalt
Amtfrau / Amtmann im allgemeinen Vollzugsdienstmittlerer Dienst, Beförderungsamt A 11 (NRW)Nach mindestens zwei Jahren in A 10 oder als Leitung des allgemeinen Vollzugsdienstes oder des Werkdienstes einer Anstalt
Oberwerkmeisterin / OberwerkmeisterWerkdienst, A 7Einstiegsamt im Werkdienst (NRW); Meister oder Techniker, Leitung von Arbeitsbetrieben
Hauptwerkmeisterin / HauptwerkmeisterWerkdienst, A 8Beförderungsamt; Ausbildung und Anleitung Gefangener
Vollzugsabteilungsleiterin / Vollzugsabteilungsleitergehobener DienstLeitung einer Vollzugsabteilung; in Sachsen ebenfalls heilfürsorgeberechtigt

Die Bezeichnungen der Laufbahnen unterscheiden sich je nach Bund und Land.

Häufige Fragen

Bekomme ich im Justizvollzug Heilfürsorge?

Nur in einigen Ländern: in Sachsen und Hamburg vor allem für den Vollzugsdienst der Laufbahngruppe 1, in Baden-Württemberg auf schriftliche Erklärung vor der Ernennung. In den übrigen Ländern erhalten Vollzugsbeamte Beihilfe und versichern den Rest privat.

Ich werde in Baden-Württemberg eingestellt. Soll ich Heilfürsorge wählen?

Das hängt von Gesundheit, Familie und Ihren Ansprüchen an die Versorgung ab. Die Entscheidung ist unwiderruflich und fällt vor der Ernennung. Wählen Sie Heilfürsorge, gehört eine Anwartschaft für die Zeit nach dem Dienst dazu; wählen Sie Beihilfe, schließen Sie gleich einen Beihilfetarif ab.

Ich bin schon länger im Hamburger Vollzug und privat versichert. Was gilt für mich?

Sie bleiben zunächst in der Beihilfe. Bis 31. März 2027 können Sie per Antrag in die Heilfürsorge wechseln. Tun Sie das, sollten Sie Ihre PKV nicht einfach kündigen, sondern als Anwartschaft fortführen (§ 204 Abs. 5 VVG), damit Alterungsrückstellung und Gesundheitszustand für den Ruhestand gesichert bleiben.

Brauche ich mit Heilfürsorge noch eine Pflegeversicherung?

Ja. Heilfürsorgeberechtigte, die nicht in der sozialen Pflegeversicherung sind, müssen eine private Pflegepflichtversicherung abschließen (§ 23 Abs. 4 SGB XI). Die Heilfürsorge trägt Pflegeleistungen nur anteilig, in Sachsen zur Hälfte.

Was passiert bei Dienstunfähigkeit mit meiner Krankenversicherung?

Wer Beihilfe erhält, behält seinen PKV-Tarif; ändert sich im Ruhestand der Bemessungssatz, wird er angepasst (§ 199 VVG). Mit Heilfürsorge endet der Anspruch beim Eintritt in den Ruhestand, dann wird die Anwartschaft zum vollen Beihilfetarif. Ohne Anwartschaft entscheidet eine Gesundheitsprüfung.

Quellen und Stand

Stand: Oktober 2026. Maßgeblich sind die jeweils gültigen Vorschriften.

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